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Erwachsenwerden Essay Typer

Erwachsene wissen alles besser. Und sagen es auch. Keine Flausen mehr, Leidenschaften an der Null-Linie. Ist es nicht eines der Probleme unserer Welt, dass sie so verdammt erwachsen ist? Und allen, die morgen nicht so weitermachen wollen wie gestern oder vorgestern, kurz angebunden mitteilt, es sei nun mal so, wie es ist, alternativlos. Nicht einmal für total spießige 55-Jährige (wie den Autor dieses Textes) gibt es gute Gründe, erwachsen sein zu wollen. Es wäre wie eine Kapitulation vor dem Totsein bei lebendigem Leib.

Dann wird einem ein schmales Buch einer amerikanischen Philosophin namens Susan Neiman zugesteckt. Sie ist 59, hat als junge Frau die Highschool abgebrochen, um sich den Protesten gegen den Vietnamkrieg anzuschließen, hat bei John Rawls und Stanley Cavell studiert, ist viel herumgekommen. Sie hat drei Kinder, die mittlerweile erwachsen sind und ist seit 2000 Direktorin des Einstein-Forums in Potsdam.

„Warum erwachsen werden?“ heißt ihr Essay, der ursprünglich in einer Reihe des Penguin Verlags namens „In Transit“ erschienen ist – Philosophie für Menschen, die sich im Pendlerzug mit etwas Tiefsinnigerem beschäftigen wollen als mit „Dumb Ways to Die“ auf dem Handy. Keine gute Frage. Die bessere wäre: Wie schafft man es, ein Leben zu führen, in dem man den Sinn nicht in Büchern suchen muss, die man sich auf dem Weg zum Job in ein Büro reinzieht, in dem das Leben recht sinnfern und sicher sehr erwachsen ist?

Neimans (selbstverständlich erwachsener) Befund lautet: Nicht erwachsen werden zu wollen ist auch keine Lösung. Indem man der Jugend hinterherhängt, kommt man nicht besonders weit. Jungsein erschöpft sich eben oft doch nur in einem recht billigen Skeptizismus, der mit den Füßchen stampft, weil die Welt nicht so ist, wie man sie gerne hätte. Im Übrigen sei die Verachtung des Erwachsenseins nur etwas, das Menschen davon abhält, endlich ihre Geschicke selbst in die Hand zu nehmen und sich um ein Leben zu kümmern, das ihrer Vernunft ein wenig besser genügt.

Neiman sagt nicht, dass ihnen das gelingen kann (zum Erwachsensein gehört auch die Einsicht, dass recht viel fürchterlich schiefgehen kann), sie sagt bloß, dass man verraten und verkauft ist, wenn man nicht erwachsen werden will. Weil man dann in einem ewig enttäuschten Idealismus gefangen bleibt, in Empörung, die nirgendwo hinführt, in Leidenschaften, die sich ständig neue Objekte suchen müssen, in der Pose des edleren Besserfühlertums.

Wenn man gut darin ist, sich ablenken zu lassen, schafft man es vielleicht, sich mit so einem Leben wohl zu fühlen. Aber man bleibt dann unter den Möglichkeiten, die sich (vielleicht) ergäben, nähme man die Mühe auf sich, erwachsen zu werden.

Man ahnt bei solchen Gedankengängen, dass Neimans Idee vom Erwachsenwerden recht ambitioniert ist. Im Grunde läuft sie darauf hinaus, das kantische Projekt der Aufklärung (Ausgang aus selbst verschuldeter Unmündigkeit, Prüfen dogmatischer Ansprüche, in die Tonne treten, was dieser Prüfung nicht standhält, kurzum: Vernünftigsein) zum Programm des eigenen Lebens zu machen. Dagegen lässt sich nichts einwenden.

Kant, für sein erfahrungsarmes Leben, seine Pingeligkeit und Umständlichkeit oft verhöhnt, ist ja unter den Philosophen der Aufklärung jener gewesen, der die Freiheit am hartnäckigsten untersuchte. Indem er es auf sich nahm, die Geltungsansprüche von Empirismus, Rationalismus, Metaphysik und so weiter gründlich zu überprüfen und zu begrenzen, hat er den Menschen (mit Sinnen, Verstand, Vernunft und Urteilskraft ausgestattet) einen Raum eröffnet, in dem sie sowohl sie selbst als auch vernünftige Gattungswesen werden können, einen Raum der begründeten und begründbaren Freiheit, ins Offene hinein.

Dieses Aufklärungsprogramm, sagt Neiman, ist jedem aufgegeben, der nicht im Jungsein stecken bleiben will. Er muss durch Nachdenken, Abwägen, Prüfung der Ansprüche, die an ihn herangetragen werden, Überprüfung der eigenen Handlungen auf ihre Verallgemeinerbarkeit, sich aus dem hervorziehen, was Konformismus, der Staat, die Kultur, die Traditionen, die Leidenschaften und weiß der Teufel wer noch alles von ihm verlangen, jemand werden wollen, der er möglicherweise nie werden kann: ein freier vernünftiger Mensch.

Das aufgeklärte Erwachsensein à la Kant ist kein Zynismus, der sich über die Welt erhebt, kein Stoizismus, der sich die Leidenschaften abgewöhnen will, auch kein bloßes Nachlassen und Schwächerwerden. Es ist eine Haltung, die man durchaus ethisch nennen könnte, eine Art vernünftiger Achtsamkeit sich selbst und anderen gegenüber.

Wie man sie, jenseits des Nachdenkens, erreicht? Die von Neiman vorgeschlagenen Methoden lauten: reisen (nicht wie ein Tourist), lesen (auch die Klassiker, auch die Aufklärer), Sprachen lernen, arbeiten. Sie laufen alle auf dasselbe hinaus: den Dogmatismus der Weltsicht, in die man durch Zufall geraten ist, zu brechen, um sowohl die Unterschiede zwischen den Menschen als auch ihre Gemeinsamkeiten kennenzulernen. Also sich eine Freiheit zu gewähren, die einem Abstände von den Etuis ermöglicht, die sich leicht sehr eng um die eigene Existenz schließen, wenn man einfach so dahinlebt.

Es hat seine Vorteile, erwachsen zu sein. Dass sie nicht sehr bekannt sind, liegt auch an unserer Kultur, der Infantilismus lieber als Reife ist, weil man infantile Menschen besser lenken kann

Он слышал приятный голос сеньора Ролдана из агентства сопровождения «Белена». У нас только две рыжеволосые… Две рыжеволосые, Иммакулада и Росио… Росио… Росио… Беккер остановился как вкопанный. А еще считаюсь лингвистом. Он не мог понять, как до него не дошло. Росио - одно из самых популярных женских имен в Испании.